Was ist Amateurfunk?

Internationaler Funkdienst

Amateurfunk ist ein Funkdienst, ähnlich dem Seefunk oder Flugfunk. Amateurfunk ist in sehr vielen Staaten zugelassen und wird dort betrieben. Dem Amateurfunk sind dazu bestimmte Frequenzen zugewiesen. Funkamateuren ist es nicht gestattet, zu anderen Funkdiensten Kontakt aufzunehmen.

Zum Betrieb ist grundsätzlich eine Zulassungsprüfung erforderlich. In Deutschland ist die Bundesnetzagentur als staatliche Aufsichtsbehörde für den ordnungsgemässen Funkbetrieb zuständig.

Unterschiede zu Funkanwendungen

Im Unterschied zu Funkanwendungen wie CB-Funk, PMR und Freenet steht dem Amateurfunk ein vergleichsweise grosser Bereich des Funkwellenspektrums zur Verfügung, angefangen vom Mittelwellenbereich bei 137kHz über die Kurzwellenbänder und die UKW-Bereiche bis hin zu den Gigahertz-Bändern.

Im Gegensatz zum Amateurfunk dürfen bei den Funkanwendungen nur zugelassene Geräte betrieben werden. Der Benutzer braucht hierfür keine Zulassungsprüfung abzulegen.

Technische Entwicklung und Erprobung

Der gesetzlich festgelegte Zweck des Amateurfunks besteht in der Entwicklung und Erprobung von Funksystemen. Daher ist es Funkamateuren erlaubt, ihre Geräte und Antennen selber zu bauen. Dazu müssen sie allerdings in einer staatlichen Zulassungsprüfung nachweisen, dass sie das dazu notwendige Wissen haben.

Völkerverständigung

Eine weitere gesetzlich festgelegte Aufgabe des Amateurfunks ist die Völkerverständigung. Selbst zu Zeiten des "kalten Krieges" war es Funkamateuren möglich, Funkverbindungen zu Amateurfunkstationen hinter dem "eisernen Vorhang" herzustellen. Funkwellen überwinden nicht nur Ländergrenzen und Distanzen, sondern auch politische und kulturelle Unterschiede. Amateurfunk verbindet daher Menschen aus vielen Ländern der Erde.


Ursprünge des Amateurfunks

Amateurfunk gibt es bereit seit Anfang des letzten Jahrhunderts. Nachdem Heinrich Hertz im Jahr 1888 erstmals elektromagnetische Wellen zur drahtlosen Signalübertragung nutzte und  Guglielmo Marconi im Jahr 1896 das erste Funkgerät patentieren liess, wurden 1923 die ersten interkontinentalen Funkverbindungen zwischen Amerika und Europa durch Funkamateure hergestellt. In Deutschland wurden 1924 die ersten Betriebsgenehmigungen für Amateurfunkstationen erteilt.

Die ersten Funkamateure waren davon fasziniert, Nachrichten drahtlos über weite Distanzen zu übertragen. Diese Faszination wirkt bis heute. Funkamateure zählten - und zählen auch heute noch - zu den Pionieren der Kommunikationstechnik.


Funkamateure betreiben Amateurfunk

Vielleicht erscheinen Ihnen die Begriffe Funkamateur und Amateurfunk wie ein Wortspiel. Wir möchten Ihnen gerne den Hintergrund erklären.

Professioneller Anspruch

Funkamateure entwickeln und bauen vielfach ihre Funksysteme selber. Sie haben in einer staatlichen Prüfung nachgewiesen, dass sie über das dazu notwendige Wissen verfügen. Teilweise kommt im Amateurfunk auch professionelle Technik zum Einsatz. Amateurfunk wird daher auf einem professionellem Niveau betrieben.

Nicht-kommerzieller Funkdienst

Amateurfunk ist ein ziviler Funkdienst. Im Vergleich zu anderen zivilen Funkdiensten wird der Amateurfunk nicht gewerbsmässig (als zum Geldverdienen) betrieben. Daher werden die Teilnehmer am Amateurfunkdienst als Funkamateure bezeichnet - und nicht als Amateurfunker.

Hilfsbereitschaft

Der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft unter Funkamateuren über Ländergrenzen hinweg hat eine lange Tradition und einen sehr hohen Stellenwert. Im Amateurfunk wird dieser Zusammenhalt mit dem internationalen Begriff "Ham Spirit" bezeichnet. "Ham" ist die international verwendete Abkürzung für "Funkamateur".


Amateurfunk und Beruf

Viele Funkamateure beschäftigen sich auch beruflich mit der Technik, die dem Amateurfunk zugrunde liegt. Einige kommerzielle Systeme, die zum Beispiel in den heutigen Mobilfunknetzen eingesetzt werden, sind unter der Beteiligung von Funkamateuren entwickelt worden.

Amateurfunk hat in vielen Fällen den Grundstein für einen beruflichen Werdegang in der Kommunikationstechnik gelegt. Er kann Motivation zu einer Berufsausbildung oder zu einem Studium in diesem Bereich sein. Daher hat der Amateurfunk ein sehr grosses Potenzial zur Nachwuchsförderung in der Informations- und Kommunikationsbranche und zur allgemeinen Verbesserung der Bildung.


Prominente Funkamateure

Ein prominenter Vertreter des deutschen Amateurfunks ist der Astronaut und Wissenschaftler Ulf Merbold, DB1KM. Während seines Aufenthaltes in der Raumstation Mir "machte" er in seiner freien Zeit Amateurfunkbetrieb mit dem Rufzeichen DP3MIR.

Der Mitbegründer des WDR-Computerclubs, Wolfgang Rudolph ist nicht nur als TV-Moderator der gleichnamigen Sendung bekannt, sondern auch als DC3PA. Auch der deutsche Politiker Friedrich Merz, DK7DQ, ist ebenfalls auf den Amateurfunkbändern QRV.

Unter den Funkamateuren im europäischen Ausland befinden sich weitere prominente Persönlichkeiten. So zum Beispiel der spanische König Juan Carlos I., EA0JC, und der britische Musiker Cliff Richard, W2JOF.

Bereits verstorben (Silent Key) sind die prominenten OM's Juri Gagarin, UA1LO, Marlon Brando, FO5GJ und König Hussein von Jordanien, JY1.


Betätigungsfelder im Amateurfunk

Die Aufgaben des Amateurfunks sind zwar gesetzlich genau festgelegt, allerdings bietet die Amateurfunkpraxis viele verschiedene Facetten. Ein Versuch, die Funkamateure verschiedenen Gruppen zuzuordnen, könnte so aussehen:

Die Techniker bauen am liebsten sämtliche Bestandteile ihrer Funkstation selber. Sie möchten wissen, wie ihre Station funktioniert und versuchen, diese zu optimieren oder notfalls auch selber zu reparieren.

Im Vergleich dazu verwenden die Betriebstechniker nur die Amateurfunktechnik, um Verbindungen aufzubauen. Sie benutzen dazu die verschiedensten Frequenzbereiche und Betriebsarten wie Sprechfunk, Telegrafie und digitale Verfahren. Sie beobachten die Ausbreitungsbedingungen und freuen sich über Kontakte zu möglichst weit entfernten oder seltenen Stationen.

Die international ausgeschriebenen Wettbewerbe sind die Gelegenheiten für die Sportler unter den Funkamateuren. Sie optimieren ihre Funkstation und ihre Betriebstechnik, damit sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Verbindungen zu möglichst weit entfernten Amateurfunkstationen aufbauen können. Oder sie "sammeln" Funkverbindungen zu verschiedensten Orten, um dafür mit Diplomen ausgezeichnet zu werden.

Die Abenteurer bauen gerne ihre Stationen an den entlegensten Stellen der Erde auf  - oder auch einfach nur am Urlaubsort oder während eines Ausflugs im Freien. Da Verbindungen zu entlegenen Orten sehr selten und daher bei den Funkamateuren sehr begehrt sind, werden Sie dafür mit vielen Anrufen per Funk von Amateuren aus der ganzen Welt belohnt.

Funkamateure, die sich in den Vereinen, Ortsverbänden und auf Verbandsebene für den Amateurfunk stark machen, sind die Organisatoren. Sie organisieren Veranstaltungen und sorgen so für den persönlichen Kontakt im Amateurfunk. Sie verfolgen beabsichtigte Gesetzesänderungen und politischen Strömungen sehr genau und setzen sich für den uneingeschränkten Fortbestand des Amateurfunks ein.

Sicherlich lassen sich Menschen schlecht pauschal einteilen. Genauso ist es auch bei den Funkamateuren. Jeder Funkamateur vereint daher in seiner persönlichen Amateurfunkpraxis verschiedene Merkmale der genannten Gruppen.


Amateurfunkrufzeichen

Weltweit eindeutig

Jeder zugelassene Funkamateur erhält von der nationalen Zulassungsbehörde ein weltweit eindeutiges Rufzeichen zugewiesen. Dieses muss bei jeder Verbindungsanfrage und bei jeder hergestellten Verbindung immer mit angegeben werden.

Schematischer Aufbau

Ein Rufzeichen besteht immer aus einem Präfix, einer einzelnen Ziffer und einem Suffix. Das Präfix gibt dabei das Land an, in dem sich die Station befindet. So hat die Clubstation des OV Neuss mit dem Rufzeichen DL0NS das Präfix DL für Deutschland und das Suffix NS als Hinweis auf den Standort Neuss.

Für Deutsche Stationen werden je nach Zulassungsart und Stationsart auch andere Präfixe oder Präfix-Ziffern-Kombinationen wie z.B. DL0, DF, DG, DN oder DO verwendet.


Betriebsarten im Amateurfunk

Analog oder Digital?

Im Amateurfunk werden sowohl analoge als auch digitale Betriebsarten eingesetzt. Für sie sind in den einzelnen Amateurfunkbändern unterschiedliche Bereiche reserviert.

Bei der Frage nach der besseren Wahl gibt es keine einfache Antwort. Im Gegensatz zu den digitalen Betriebsarten benötigen die analogen Varianten keine Computer. Allerdings ist dieser Vorteil mittlerweile kein gewichtiges Argument mehr, da der Stationsbetrieb mittlerweile in vielen Fällen sowieso schon durch Computer unterstützt wird. Sie sind die klassischen Betriebsarten und vermitteln vielen Funkamateuren das Urtypische dieses Funkdienstes.

Die digitalen Betriebsarten sind dagegen ein Sinnbild für den modernen Amateurfunk und ermöglichen aufgrund ihrer Schmalbandigkeit Weitverkehrsverbindungen mit sehr kleinen Leistungen oder einfachen Antennen oder bieten interessante neue Möglichkeiten.

Telegrafie

Diese Betriebsart wird oft auch CW oder umgangssprachlich Morsen genannt. Sie ist die älteste und gleichzeitig auch die erste digitale Betriebsart, da sie mit nur zwei Symbolen (kurzer und langer Ton)auskommt. Das Erlernen erfordert allerdings etwas persönlichen Aufwand. Die Kommunikation wird vielfach mit international gebräuchlichen Abkürzungen abgewickelt und erfordert daher wenig Fremdsprachenkenntnisse.

Sprechfunk

Dies ist die klassische analoge Betriebsart und wird wegen ihrer Modulationstechnik oft mit SSB bezeichnet. Im Internationalen Funkverkehr wird Englisch gesprochen, im innerdeutschen Funkverkehr meistens Deutsch, sehr oft aber auch Hochdeutsch. Französisch -oder Spanischkenntnisse können im internationalen Funkverkehr oft auch von Vorteil sein.

Fernsehen

Diese Betriebsart ist aufgrund ihrer hohen Bandbreite auf die Frequenzbänder im UHF-Bereich beschränkt. Eine weniger breitbandigere Variante ist die Übertragung von Standbildern, die mit SSTV bezeichnet wird.

Fernschreiben

RTTY ist die Abkürzung für diese digitale Betriebsart. Sie wurde früher mit Fernschreibgeräten betrieben, die mitterweile durch Computer abgelöst wurden. Hiermit können nur Textnachrichten übertragen werden.

Digitale Betriebsarten

Die Zahl der digitalen Betriebsarten, die auch für Computer entwickelt wurden, ist in den letzten Jahren angestiegen. Ihnen ist ein gesondertes Thema gewidmet.


Notfunk - Amateurfunk in Krisensituationen und Notfällen

Eine weitere wichtige Aufgabe des Amateurfunks ist die Unterstützung in Krisengebieten und in Notfällen. Da in solchen Situationen meistens keine öffentlichen Kommunikationsnetze zur Verfügung stehen, ist es dank des Amateurfunks meistens möglich, über Kurzwelle mit geringem Aufwand eine Verbindung zur Aussenwelt herzustellen. So ist es möglich, Hilfeersuchen an Behörden und Organisationen weiterzuleiten und Hilfsmassnahmen zu koordinieren.